Gemeindezusammenlegungen schwächen den ländlichen Raum und verursachen höhere Kosten
Donnerstag, 19 April 2012

Verwundert über die jüngste Aussendung des Österreichischen Städtebundes, in der dieser zur Forcierung von Gemeindezusammenlegungen aufrief, zeigte sich der Präsident des Kärntner Gemeindebundes, Bgm. Ferdinand Vouk. „Der alljährlich für sämtliche österreichischen Gemeinden erstellte Gemeindefinanzbericht zeigt, dass die Kleingemeinden effizient arbeiten und ihre Existenzberechtigung täglich unter Beweis stellen. Die in Kärnten nach der großen Gemeindegebietsreform in den 1970er-Jahren wieder vorgenommenen Gemeindetrennungen haben gezeigt, dass von oben verordnete Vergatterungen eigenständiger Gemeinden auf Dauer nicht funktionieren“, so Vouk weiter.

Die aktuell ausgelöste Diskussion um Gemeindezusammenlegungen sieht der Präsident des Kärntner Gemeindebundes nicht nur als müßig, sondern als gefährlich für den ländlichen Raum an. „Als Argument für Gemeindezusammenlegungen werden vielfach nicht durch Zahlen belegbare Effizienzgewinne angeführt. Eine Zentralverwaltung für mehrere Gemeinden in unterschiedlichen und mitunter zersiedelten Tallagen würde nicht nur wirtschaftlich keinen Sinn ergeben, sondern auch Fragen bei der Bereitstellung der Infrastruktur aufwerfen und einen Verlust an Identifikation und ehrenamtlichem Engagement bedeuten. Wir setzen auf sinnvolle Kooperation unter Wahrung der Identität und Selbständigkeit der Gemeinden.“

Dass größere Einheiten nicht automatisch günstiger sind, wird auch durch den Gemeindefinanzbericht 2011 belegt. So sind in Gemeinden mit bis zu 2.500 Einwohnern durchschnittlich nur sieben Mitarbeiter pro 1.000 Einwohner beschäftigt, in Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern für dieselbe Einwohneranzahl bereits neun bis elf Mitarbeiter und in Städten mit über 50.000 Einwohnern sogar 18 Mitarbeiter.  Dadurch betragen die Personalkosten in Gemeinden mit bis zu 2.500 Einwohnern nur 352 Euro je Einwohner. In den Städten mit über 50.000 Einwohnern liegen diese mit 808 Euro bereits auf mehr als der doppelten Höhe.