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Elf Punkte für mehr Integration PDF Drucken E-Mail
Freitag, 24. Juni 2016
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Der Schwerpunkt des Integrationspakets liegt auf der Beschäftigung von Asylwerbern. Neu ist, dass Asylwerber bei gemeindeeigenen Gesellschaften Hilfstätigkeiten ver-richten dürfen und ein Leistungskatalog erstellt wird. Wesentliche Fragen, wie jene der Versicherung von Asyl-werbern bei gemeinnützigen Tätigkeiten, wurden aber aus-geklammert.

Elf Punkte umfasst das Integrationspaket, das die Regierung am 21. Juli 2016 im Ministerrat beschlossen hat. Essentielle Ver-änderungen werden nicht vorgenommen, aber es gibt kleine Neuerungen bei den Bereichen Sprache und Bildung sowie der Wertevermittlung, der Förderung von gemeinnützigen Tätigkeiten von Asylwerbern mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit sowie der gezielten Unterstützung von Freiwilligen im Sprachbereich. 

Das Integrationspaket im Überblick:

Sprache & Bildung

1. Ausbau von Sprachkursen
Das Bundesministerium für Inneres (BMI), das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA) und das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) haben sich im Zuge des Projektes "Startpaket Deutsch & Integration" darauf verständigt, in abgestimmter Vorgehensweise zusätzliche Deutschkurse für die Niveaus Alpha bis A2 zu schaffen. Im Zuge dieses Projektes wird nun auch die Vermittlung von berufssprachlichen Kenntnissen bedarfsgerecht gefördert und ausgeweitet. Dafür werden von den drei Ressorts zusätzlich 51,25 Millionen Euro investiert. Diese Maßnahme gilt auch für Asylwerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit. Sie bekommen im Rahmen der Grundversorgung durch Mittel des BMI in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bundesländern Deutschkurse auf Basisniveau.

2. Ausbau von Orientierungs- und Wertekursen
Werte- und Orientierungskurse des Österreichischen Integrationsfonds werden bereits jetzt in Zusammenarbeit mit Ländern und dem AMS durchgeführt. Bisher wurden damit über 3.000 Flüchtlinge erreicht. Dieses Angebot des ÖIF wird nach Maßgabe der Möglichkeiten nun den zum Verfahren zugelassenen Asylwerber/innen zugänglich gemacht.

In einem weiteren Schritt soll die Möglichkeit geboten werden, dass die Inhalte der Werte- und Orientierungskurse auch in die Curricula der Deutschkurse für Flüchtlinge einfließen und dort vertiefend behandelt werden können. Der Österreichische Integrationsfonds wird dazu auf Basis der vorliegenden Unterlagen (Werte- und Orientierungskurse, Sprachniveau A1) entsprechende Curricula für die Deutsch-Sprachniveaus A2 bis B2 entwickeln. Diese Curricula werden den Kursträgern zur Verfügung gestellt.

3. Gezielte Unterstützung der Freiwilligen im Bereich der Sprachförderung
Engagierte Menschen, die Asylberechtigten und Asylwerbern in Landesbetreuung beim Erlernen der deutschen Sprache helfen, sollen bei dieser Aufgabe zunehmend durch Materialien und Informationsveranstaltungen unterstützt werden. Die Zielgruppe der unbegleiteten Minderjährigen wird dabei besonders berücksichtigt.

4. Schulische und berufliche Qualifikation
Um sich auf den Bedarf im Bereich der schulischen und beruflichen Qualifikationsmaßnahmen besser vorbereiten zu können, wird - über eine international tätige und anerkannte Organisation im Rahmen einer Studie - die schulische und berufliche Qualifikation der Asylwerber/innen aus den wichtigsten Herkunftsstaaten an Hand einer repräsentativen Auswahl erhoben und statistisch ausgewertet.

Gemeinnützige Tätigkeiten von Asylwerber/innen

5. Leistungskatalog zur Forcierung des Angebots von gemeinnützigen Tätigkeiten
Ziel ist es, Asylwerbern Betätigungsfelder und Tagesstruktur zu bieten. Die Möglichkeit dieses Angebots auf Grundlage des § 7 GVG-B soll in allen Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) forciert werden. Um Rechts­sicherheit zu gewährleisten, wird - in Absprache mit den jeweils verantwortlichen Stellen - ein Katalog über jene Leistungen erstellt, die Asylwerbern als Hilfs- und Unterstützungstätigkeiten für Gebietskörperschaften und im Rahmen ihrer eigenen Unterbringung erfüllen können.

6. Hilfstätigkeiten bei gemeindeeigenen Gesellschaften
Gesellschaften im Alleineigentum der Gemeinde, die nicht am freien Markt tätig sind und sich somit auch nicht am wirtschaftlichen Wettbewerb beteiligen, wird die Möglichkeit eröffnet, Asylwerber/innen für die im Katalog angeführten Leistungen heranzuziehen.

Werte & Prävention

7. Orientierungs- und Wertepatenschaften
Verfassungsrechtlich verankerte Werte sollen für Personen, die in Landesbetreuung untergebracht sind, über die Arbeit mit Freiwilligen erleb- und erlernbar werden. Auf Basis bereits bestehender Programme wird ein Modell entwickelt.

Forschung & Vernetzung

8. Vernetzung statistischer Daten
Ziel ist es, die für die Integration relevanten statistischen Daten mittels Vernetzung besser und gesamthaft zu erfassen und abrufbar zu machen. Dadurch soll zum Ziel der besseren Integration und den damit verbundenen Themen (Sprachmaßnahmen, Werte- und Orientierungskurse, Qualifikationen, Berufserfahrungen, Dokumentation der Clearingergebnisse sowie Nachvollziehbarkeit von Integrationsbestrebungen, Stichwort Informationsweitergabe) ein klareres Bild entstehen. Wichtig ist auch die Entwicklung einer einheitlichen und durchgängigen Dokumentation der Integrationsaktivitäten, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Die dafür erforderlichen Maßnahmen werden von einer Arbeitsgruppe der Bundesregierung bis Herbst 2016 geklärt, die Umsetzung ab dann zügig eingeleitet.

9. Wissenschaftliche Begleitforschung
Derzeit mangelt es an umfassenden Studien zur Flüchtlingsthematik. Wissenschaftliche Analysen sollen helfen, neue Programme anzuregen und Bestehendes zu evaluieren. Zu diesem Zweck wird vom BMEIA, dem BMWFW, dem BKA, dem BMB und dem ÖIF eine Koordinationsstelle eingerichtet, die bestehendes Studienmaterial erfasst und eine Abstimmung der unterschiedlichen künftigen Forschungsmaßnahmen vornimmt. Ein wechselseitiger Informationsaustausch wird sichergestellt.

Integration in den Gemeinden

10. Integration vor Ort in den Gemeinden
Die Unterstützung und Vernetzung der Gemeinden durch Experten-Know-how und Austausch von Best-Practice-Beispielen bei der Integration von Asylberechtigten, subsidiär Schutzberechtigten sowie zum Verfahren zugelassenen Asylwerber/innen wird weiter ausgebaut. Dadurch soll auch der übermäßigen Abwanderung in Ballungszentren bei positivem Abschluss des Asylverfahrens entgegengewirkt werden.

11. Digitale Vernetzung von Freiwilligenaktivitäten
Gesucht sind kreative digitale Strategien, um mit Beteiligungsmöglichkeiten bestehende Freiwilligenplattformen zu vernetzen und Vermittlung von Patenschaften für Deutschkurse und Orientierung- und Wertevermittlung, Freizeitangebote für Menschen mit Fluchthintergrund  zu ermöglichen. In der Angebotsentwicklung wird dabei speziell auf das Mediennutzungsverhalten von jugendlichen Flüchtlingen Rücksicht genommen, um Lern- und Freizeitaktivitäten zielgerecht vermitteln zu können.

Nachtrag zu Punkt 10: Fachlicher Austausch wird auf alle Bundesländer ausgedehnt

Was bedeutet Punkt 10 konkret? Wir haben wir beim Ministerium für Integration nachgefragt, wie man sich dort die praktische Umsetzung vorstellt. Wir erhielten folgende Antwort:

"Als Integrationsministerium sind wir stark um die Vernetzung mit den Gemeinden bemüht. Wichtig ist es ein koordiniertes Angebot gemeinsam mit den Bundesländern zu schaffen. In Niederösterreich und Kärnten konnten wir bereits gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds und dem Gemeindebund starten und alle für Integration Verantwortlichen in den Gemeinden zu einem fachlichen Austausch mit Experten Know How einladen. Das wollen wir natürlich auch in den anderen Bundesländern ausbauen. Zudem haben wir Anfang des Jahres gemeinsam mit dem ÖIF die Broschüre "Integration vor Ort – 50 Anregungen aus der Praxis" herausgegeben, in der Best-Practice-Beispiele aus Österreichs Gemeinden abgebildet werden, aber auch wertvolle Tipps von Expertinnen und Experten enthalten sind."

Die Broschüre können Sie unter nachstehendem Link downloaden oder kostenlos bestellen: "Integration vor Ort - 50 Anregungen aus der Praxis"

 

Quelle: Kommunalnet

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